Die Qual der (Usability und User Experience) – Methodenwahl

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Das Usability inzwischen ein wichtiger Faktor für den Erfolg eines Produkts ist, darin sind sich inzwischen die meisten Entwickler einig. Wie stark Usability berücksichtigt wird, hängt dann natürlich noch von den eigenen Vorkenntnissen, der Unternehmensstrategie und dem (Zeit-)Budget ab. Trotzdem hat sich inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt, dass es nicht reicht, immer neue Funktionen einzubauen und zu hoffen, dass der Nutzer schon irgendwie damit zurechtkommen wird.

Und genauso ist es mit User Experience. Auch wenn der Begriff aktuell noch nicht so feststehend und verbreitet ist, so sind sich die meisten Entwickler einig darin, dass ihr Produkt nicht nur Frust vermeiden soll, sondern im besten Fall die Verwendung auch Spaß macht und der Nutzer das Produkt begeistert weiterempfiehlt.
Es freut mich sehr, dass inzwischen gar nicht mehr oder nur noch viel seltener als vor zehn Jahren die Frage gestellt wird: Und warum brauche ich das? Das zeigt, dass die Arbeit, die in Interessensverbänden, Produkttests und Hochschulen geleistet wurde, in der Praxis angekommen ist. Aber was sich tatsächlich kaum geändert hat, ist die Herangehensweise bei der Berücksichtigung von Usability und User Experience in der Entwicklung.

Noch immer ist in vielen Köpfen verankert, dass Usability und User Experience Dinge sind, die man macht NACHDEM das eigentliche Produkt entwickelt ist. Erst mal die Funktionen, die Basis und so, und dann, am Ende, dann machen wir’s noch einfach und schön. Aber so funktioniert Usability nicht und so funktioniert auch User Experience nicht. Mit dieser Vorgehensweise erreicht man in den meisten Fällen lediglich, dass das entstandene schlecht zu bedienende User Interface schön und bunt ist. Aus Nutzersicht ist hierdurch rein gar nichts gewonnen und sowohl die Usability, als auch die User Experience bleiben weiterhin schlecht. Usability auf etwas Fertiges draufzusetzen ist nur in den seltensten Fällen erfolgreich. Usability und User Experience müssen konsequent mitgedacht werden – am besten ab der Produktidee und daher VOR der ersten Zeile Code (warum sich durch dieses Vorgehen auch Kosten einsparen lassen, beschreibe ich im nächsten Beitrag; mittlerweile hier erschienen).

Wie können Sie denn nun Usability und User Experience von Anfang an konsequent mitdenken? Hierfür findet sich in der Literatur mittlerweile eine Vielzahl an Methoden. Eine Recherche zeigte, dass es Anfang des letzten Jahres sogar über 200 verschiedene Methoden gab, die Sie verwenden können, um Ihre Produkte besser zu machen. Doch hier liegt auch schon das nächste Problem: Kein Praktiker hat die Zeit (und vielleicht auch nicht die Lust), 200 verschiedene Methoden durchzulesen, zu verstehen und auszuprobieren. Dadurch können zwei Dinge passieren: 1. man hat schon ein bisschen was über Usability gelesen und setzt gar keine zusätzliche Methode ein. Schließlich kennt man sich ja aus, und das Ergebnis wird schon passen. Oder 2. es bleibt immer wieder bei der Verwendung der gleichen zwei, drei oder vier Methoden, die man irgendwann gelernt und ausprobiert hat.

Im ersten Fall wird das Ergebnis selten so gut sein, wie wenn Sie wirklich Usability-Methoden eingesetzt haben. Natürlich steigt der Erfolg mit Ihrer Erfahrung, aber die Haupterkenntnis bleibt: Sie sind kein Nutzer und nichts und niemand ist in der Lage, das Feedback von „echten“ Nutzern permanent zu ersetzen. Wenn Nutzer schon nicht aktiv in die Gestaltung einbezogen werden, dann sollten sie mindestens aktiv mitgedacht werden. Auch hierzu gibt es Methoden, die dabei unterstützen, den „echten“ Nutzer zu berücksichtigen und nicht nur Ihre Idee vom Nutzer.
Im zweiten Fall ist der Weg sehr erfolgsversprechend und die Chancen steigen, durch bessere Konzepte Kosten zu sparen. Aber auch hier wird Potential verschenkt. Schließlich gibt es einen Grund, warum es nicht zwei, drei oder vier Methoden gibt sondern 200. Die Fragestellungen mit denen man in der Entwicklung konfrontiert wird, sind zwar auf der einen Seite immer wieder ähnlich (Wo soll ich Elemente anordnen? Wie soll ich Funktionen benennen? Ist der Ablauf der Interaktion für meinen Nutzer verständlich? Ist die Gestaltung ansprechend?), der Zeitpunkt, das Ausmaß und die gewünschte Antwort können jedoch stark mit dem Entwicklungsziel variieren. Hier ist es elementar wichtig, die richtige Herangehensweise zu finden, um eine Antwort zu erhalten, die am Ende wirklich hilft.

Unser Interesse ist es, viele gute und erfolgreiche Produkte auf dem Markt zu sehen. Zu erleben, wie Nutzer Spaß und Begeisterung bei Produkten erleben, bei denen das vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen wäre. Deswegen möchten wir, dass es für alle Entwickler einfacher wird, DIE richtige Methode (auch wenn es selten eine alleine sein wird, sondern meistens eine Kombination aus mehreren) für ihre Fragestellung auszuwählen. Zu diesem Zweck haben wir auf Basis unserer Erfahrung der letzten Jahre eine Auswahl an 30 Usability und User Experience Methoden getroffen und in einen Methoden-Assistent integriert. Der Methoden-Assistent ermöglicht es dabei, anhand einer Fragenliste die Frage auszuwählen, die der eigenen Fragestellung am nächsten kommt. Im Anschluss werden die Methoden aus unserer Auswahl angezeigt, die geeignet sind, die Fragestellung zu beantworten. Es ist dann noch möglich, bis zu drei der Methoden miteinander zu vergleichen. Für jede der Methoden gibt es zusätzlich eine Informationsseite, die die wichtigsten Infos noch einmal zusammenfasst. Auch wenn der Methodenassistent nur einen Ausschnitt der verfügbaren Methoden zeigt, deckt die von uns getroffene Auswahl dennoch eine große Bandbreite an verschiedenen Fragestellungen ab. Ich hoffe, dass der Methoden-Assistent ihnen hilft, eine Methode für Ihre Frage zu finden und Ihnen einen ersten Anreiz bietet, Ihre Produkte noch besser zu machen. Viel Spaß!

Link zum Methodenassistent:
Zum Methoden-Assistent



Bildquelle: Marco2811 / Fotolia.com

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