Warum Usability und User Experience nicht so teuer sind, wie Sie denken

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Bereits im letzten Blogbeitrag ging es um Geld und Usability (siehe „3 Gründe, warum Usability & User Experience nicht nur immens Geld sparen, sondern auch bringen„). Der Fokus des letzten Beitrags lag hierbei auf dem Sparen von Geld durch den Einsatz von Usability & User Experience Methoden. Es wurde beschrieben, dass Usability & User Experience auf der einen Seite Geld sparen können und auf der anderen Seite auch den Gewinn steigern. Auch in diesem Beitrag geht es um Usability und Geld. In diesem Beitrag liegt der Fokus allerdings eher darauf, was Usability & User Experience kostet. Hierbei möchte ich mit dem Vorurteil brechen, dass Usability & User Experience immens teuer sind und daher nur von großen Konzernen überhaupt bezahlt werden kann.

Natürlich stimmt es, wenn man sagt, dass Usability- & User Experience-Maßnahmen Geld kosten. Das führt dazu, dass Usability & User Experience oft als Luxus oder „nice-to-have“ angesehen werden. Vor allem in kleinen und mittelständischen Unternehmen ist diese Meinung sehr oft vertreten. Leider brauchen aber GERADE kleine und mittelständische Unternehmen Usability & User Experience, da sie es sich oft nicht leisten können, darauf zu verzichten. Warum? Das Geschäftsmodell vieler kleiner und mittelständischer Unternehmen baut darauf auf, ein Produkt/Service oder sehr wenige Produkte/Services anzubieten. Da weniger Personal zur Verfügung steht, stecken diese Unternehmen meistens fast alle Ressourcen in die Entwicklung oder Verbesserung ihres Produkts. Wenn dieses eine Produkt jedoch beim Kunden keinen Anklang findet – sei es auf Grund schlechter Usability oder sei es auf Grund von „falscher Funktionalität“ – dann ist das für kleine und mittelständische Unternehmen existenzbedrohend. Ein großes Unternehmen schließt im Zweifelsfall die jeweilige Entwicklungsabteilung bzw. strukturiert um. Diese Möglichkeit haben kleinere Firmen oftmals nicht. Sie sind also viel stärker darauf angewiesen, dass die eine Entwicklung auch wirklich DIE eine Entwicklung bleibt und das Produkt anschließend ausreichend gut verkauft wird. Hier helfen Usability & User Experience Maßnahmen teure Fehlentwicklungen vermeiden.

Jetzt werden einige von Ihnen denken: Ja gut, mag sein, aber wir haben nun mal kein Budget eingeplant. Das ist ein Fehler, der leider oft gemacht wird, und dazu führt, dass das Unternehmen irgendwann mit dem Rücken zur Wand steht. Man sieht an den Absatzzahlen und dem Kundenfeedback: Irgendetwas stimmt nicht mit meinem Produkt. Leider hat man in dieser Situation oftmals nicht die Ahnung was genau nicht stimmt. Oft fliehen sich Entwickler und Unternehmen dann in das Einbauen neuer Features oder das Erweitern von vorhandenen Features. Das kann helfen – muss aber nicht, wenn hier gar nicht das Problem liegt. In den meisten Fällen sind nicht die Features des Produktes ein Problem, sondern der Zugang zu den Features durch die Kunden – also die Benutzeroberfläche. Hier bieten Usability- & User Experience-Maßnahmen eine Möglichkeit zu entkommen. Sie helfen Licht ins Dunkel zu bringen und zu erfahren, wo denn tatsächlich die Probleme liegen. Diese können dann gezielt angegangen und beseitigt werden. Gerade hier lohnt es sich ungemein zielgerichtet vorzugehen und nicht lange Zeit im Trüben zu fischen und Entwicklungsgeld zu verbrennen. Doch was kosten Usability- & User Experience Methoden denn nun?

Manche Usability- & User Experience-Methoden – selbst durchgeführt – kosten Sie nicht mehr als ein paar Blätter Papier, einen Bleistift, einen Radiergummi, etwas Zeit und vielleicht eine Pizza. Wie das gehen soll? Nutzen Sie z.B. selbst Methoden wie das Paper Prototyping. Gewöhnlich wird bei der Entwicklung von Software ohne Usability- & User Experience-Maßnahmen im Team eine Benutzeroberfläche festgelegt und diese dann gecoded. Wenn dann Beschwerden oder Änderungswünsche kommen, ist bereits extrem viel Zeit und Aufwand in die Umsetzung geflossen. Das können Sie verhindern, wenn Sie Ihre ersten Ideen für die Benutzeroberfläche einfach aufzeichen und diese bei einer Pizza ein paar Ihrer guten Kunden zeigen. Dann erhalten Sie ein schnelles Feedback und können vielleicht sogar gemeinsam mit Ihrem Kunden das Interface umgestalten. Natürlich ist das nicht die optimale Umsetzung von Usability & User Experience. Es gibt z.B. nur eine Interfacevariante. Sie sprechen nur mit ein oder zwei Personen, anstatt mit vielen. Zusätzlich kennen Sie die Person auch noch, so dass das Feedback gegebenenfalls freundlicher ausfällt, als bei neutralen Personen. Hinzu kommt noch, dass Sie selbst vielleicht keine Erfahrung im Führen von Interviews haben, … und so weiter und so fort. Es gibt viele Dinge, die man an dem Vorgehen besser machen kann. ABER diese Art von Usability- & User Experience in die Entwicklung zu integrieren, ist deutlich besser als keine Usability & User Experience und ich bin sicher, dass Sie so einige der größten Patzer verhindern können.

Sollten Sie doch irgendwann an den Punkt kommen, professionelle Usability- & User Experience Dienstleistungen zu benötigen, sind diese auch nicht immer aufwändig und teuer. Wenn Sie zum Beispiel ausschließlich eine erste Experteneinschätzung zur Usability & User Experience Ihrer Benutzeroberfläche (oder besser noch: Ihrer Idee der Benutzeroberfläche) haben wollen, so ist dies mit einem Tagessatz durchaus möglich. Manche Agenturen bieten sogar Einstiegsangebote, die Ihnen dabei helfen, erste Erkenntnisse zu sammeln und gleichzeitig kostensparend herauszufinden, ob Ihnen eine Expertenbewertung überhaupt etwas bringt. Wir bieten zu diesem Zweck zum Beispiel den Usability Quick Check an. Dieser bietet Feedback von 2 Experten für 1 Stunde und kostet 199€ als Kennenlernpreis (zzgl. Fahrtkosten). Mit diesen Einstiegsangeboten sollte es daher sogar mit dem kleinsten Budget möglich sein, sich professionelles Feedback zu holen. Wenn Sie sich allerdings mit Fragen zur Akzeptanz eines Produktes auseinandersetzen kommen Sie an „echten“ Nutzertests und Befragungen kaum vorbei. Aber auch hier gibt es viele Möglichkeiten, den Preis aktiv mitzugestalten. Beispielsweise, indem Sie Ihre eigenen Probanden für den Test gewinnen. Gute Usability- & User Experience Agenturen unterstützen Sie dabei genau die richtigen Methoden anzuwenden. Dazu gehört auch, den Umfang der Methoden an das vorhandene Budget anzupassen.

Sie sehen, Usability- & User Experience-Maßnahmen kosten Geld. Aber lange nicht so viel, wie man auf den ersten Blick denkt. Hinzu kommt, dass Sie durch den Einsatz von Usability & User Experience langfristig Geld sparen. Ich hoffe, ich konnte Sie dazu animieren, die ersten Schritte in Richtung Usability & User Experience zu unternehmen, egal, ob Sie selbst tätig werden oder mit der Hilfe von Anbietern. Usability & User Experience sind nicht so teuer wie man denkt.

Die letzten beiden Beiträge haben sich stark mit der Frage beschäftigt, warum man Usability-Maßnahmen umsetzen sollte. In unseren nächsten Beiträgen werden wir uns einem ganz anderen Thema widmen: Der psychologischen Produktgestaltung. Wie Sie vielleicht auf unserer Homepage gesehen haben, beschäftigen wir ein interdisziplinäres Team. Drei unserer Mitarbeiter (und einige unserer freien Mitarbeiter) sind von Haus aus Psychologen und bringen einen komplett anderen Aspekt in die Gestaltung von Produkten ein: Welche Bedürfnisse hat der Nutzer, und wie kann ich diese in der Gestaltung von Produkten berücksichtigen? Wir möchten Ihnen über die nächsten Wochen und Monaten diesen Denkansatz näher bringen. Im nächsten Beitrag wird es erst einmal darum gehen, warum Bedürfnisse wichtig sind, bevor wir anschließend in jedem weiteren Beitrag ein Bedürfnis vorstellen und erklären, wie man es in der Entwicklung berücksichtigen kann. Wir würden uns freuen, wenn Sie dann wieder mit dabei sind.



Bildquelle: pixabay.com

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