Was Produkte wirklich cool macht – Psychologische Produktgestaltung – Die große Bedürfnisreihe Teil 2: Status

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Das neue iPhone oder ein anderes technisches Objekt der Begierde ist auf den Markt gekommen. Es ist neu, es ist cool und vielleicht ist es auch nur eine limitierte Edition und es kann nicht jeder haben. Es ist verrückt, was ein Produkt auslösen kann. Tagelang wird berichtet, Menschen campen vor den Läden, ein riesiger Ansturm bei der Eröffnung, Kaufrausch, Begeisterung, emotionaler Ausnahmezustand. In unserem letzten Artikel haben wir bereits festgestellt, dass ein Produkt, das eine solche Welle auslöst, mehr haben muss, als eine einfache Bedienbarkeit und eine gute Gebrauchstauglichkeit. Etwas hebt es von der Masse anderer Produkte ab, die im Zweifel genau die gleichen Funktionen haben. Es spricht uns Menschen auf eine Art und Weise an, der wir uns meist gar nicht bewusst sind. Ein solches Produkt befriedigt Bedürfnisse – psychologische Grundbedürfnisse, die wir alle haben und die es zu erfüllen gilt, damit wir uns wohlfühlen und glücklich sind.

Und damit zu einem kurzen Exkurs in die Geschichte der Menschheit. Es ist das 18. Jahrhundert und die Bevölkerung Europas leidet unter der Herrschaft absolutistischer Monarchen. Der Traum nach Freiheit, nach sozialem Aufstieg und Wohlstand treibt viele dazu aufzubrechen und das Glück in den Vereinigten Staaten von Amerika zu suchen. Seitdem ist der Mythos „Amerikanischer Traum“ und die Suche nach dem Glück durch Wohlstand und sozialem Status aus Literatur, Film, Fernsehen und natürlich aus unseren Köpfen nicht mehr wegzudenken. Sie fragen sich jetzt: Was hat der Mythos „Amerikanischer Traum“ mit der Gestaltung von Produkten zu tun? Das ist schnell erklärt. Der amerikanische Traum wurde zwar erst im 18. Jahrhundert als solcher betitelt, das Streben nach „Mehr“ liegt jedoch in der menschlichen Natur. Es ist ein sehr grundlegendes menschliches Bedürfnis Einfluss, Macht und Status haben zu wollen. Dieses Bedürfnis nach gesellschaftlichem Status zu erfüllen, macht Menschen zufrieden und glücklich. Ein Produkt zu gestalten, das also genau das tut, nämlich dem Menschen das Gefühl zu geben, einen Status erreicht zu haben, befriedigt somit ein psychologisches Bedürfnis – und das macht bewiesenermaßen glücklich. Das neue iPhone oder die limitierte Edition eines Autos – es geht nicht darum telefonieren oder fahren zu können. Es geht um viel mehr als die reine Funktion. Sie denken sich jetzt: Ja gut, das iPhone, das ist ja etwas ganz anderes als mein Produkt, das kann natürlich ein Gefühl von Status vermitteln – mein Produkt ist nicht das richtige dafür. Und ich sage Ihnen: Doch, das geht. In der psychologischen Produktgestaltung geht es genau darum. Alltagsprodukte so zu gestalten, dass sie Bedürfnisse befriedigen, von denen der/die Nutzer/in gar nicht weiß, dass er/sie sie hat. Mit einigen Tipps und Tricks können Sie mit Ihrem Produkt begeistern. Ein klassisches Beispiel für die Vermittlung von Status ist die Einrichtung von Bonusprogrammen. Den Vielfliegerbonus oder die Bahnprämien kennen Sie sicher. Bei der Bahn bekommt man als BahnCard Inhaber nach dem Sammeln einer ausreichenden Menge an Statuspunkte sogar eine neue BahnCard zugeschickt – mit dem Status „bahn.comfort“. Dafür gibt es in den Zügen eigene Abteilungen und Sitzplätze, die nur für „bahn.comfort“ Kunden eingerichtet sind und – natürlich – auch als solche gekennzeichnet werden. Die Einrichtung eines solchen „Status“ gibt dem/r Bahnkunden/in ein Gefühl etwas Besonderes zu sein und einen Status erreicht zu haben, den nicht jeder erreichen kann. Man mag denken, das sei eine sehr platte Masche – ist es auch. Aber es funktioniert. Nicht nur im Reisekontext ist das möglich. Denken Sie einmal an Ihr Produkt. Wie können Sie Ihren Nutzern/innen ein Gefühl von Status vermitteln? Nehmen wir eine App als Beispiel. Eine Möglichkeit ein Gefühl von Status zu vermitteln, ist beispielsweise einen Glückwunsch oder einen Dank für die Nutzung zu senden. Nach einer gewissen Zeit der Nutzung erhält Ihr/e Nutzer/in automatisch eine Nachricht, in der ihm/ihr zur „Langzeitnutzung“ gratuliert wird. Man kann dem/der Nutzer/in im Zuge dessen einen Langzeitnutzerstatus verleihen und dafür beispielsweise einen Namen vergeben. Eine Erweiterung wäre, wenn der/die Nutzer/in die Möglichkeit hat, diesen Status sogar öffentlich zu machen und gleichzeitig zu zeigen, wie wenige andere Nutzer diesen Status bisher erreicht haben. Es gibt sehr viele Möglichkeiten, das menschliche Bedürfnis nach Status zu befriedigen – auch im sehr kleinen Rahmen. Die Wirkung verfehlt das aber trotzdem nicht.

Ich hoffe, Sie haben einen Eindruck erhalten, wie Bedürfnisse – insbesondere das Bedürfnis nach Status – mit der Gestaltung von Produkten zusammenhängen und wie man sie verwenden kann, um Produkte zu gestalten, die den/die Nutzer/in glücklicher machen. Glückliche Nutzer bedeuten gleichzeitig gute Bewertungen für das Produkt – und wer will das nicht? Im nächsten Teil dieser Reihe wird es um das Bedürfnis der Kompetenz gehen. Ich freue mich, wenn Sie auch dann wieder dabei sind.

Übersicht über die Reihe:
Teil 1: Einführung
Teil 2: Status
Teil 3: Kompetenz
Teil 4: Autonomie
Teil 5: Verbundenheit

Bildquelle: lassedesignen / Fotolia.com

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