Nutzermethoden kinderleicht – Probleme spielend lösen lernen

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Kinder sind die Zukunft unserer Gesellschaft. Sie sind die Entscheider von morgen, die Eltern, Lehrer, Politiker, Unternehmer, Arbeitnehmer… Wir sollten das Beste tun, was wir können, um unsere Kinder auf ein schönes, angenehmes und lebenswertes Leben vorzubereiten. Wir von Custom Interactions glauben fest daran, dass nicht einfach nur “statisches” Wissen für den späteren Erfolg und das spätere Glück entscheidend ist, sondern die Fähigkeit, sich immer wieder neues Wissen anzueignen, aus allem zu Lernen was man sieht und sich aktiv Missständen zuzuwenden und diese zu beheben. Probleme und Herausforderungen begegnen uns jeden Tag in unserem Leben. Leider gibt es nur wenige Formate, die Kinder (oder Erwachsene) gezielt darauf vorbereiten, Probleme aufzudecken und systematisch zu lösen.

Das wollten wir ändern.

Aus unserer alltäglichen Praxis im Bereich Produkt- und Servicegestaltung sind wir es gewohnt, strukturiert zu arbeiten und Probleme systematisch zu lösen. Dieses Wissen setzen wir in Kundenprojekten ein oder geben es in Schulungen zu User Experience oder Design Thinking an unsere Kunden weiter. Warum also nicht schon Kindern beibringen, wie sie gezielt Probleme lösen können? Und zwar auf eine Art, die Lösungen ermöglicht, die von allen Seiten als Gewinn wahrgenommen werden.

Gesagt, getan! Im Rahmen der Projektwoche der Peter-Schöffer-Schule in Gernsheim am Rhein wollten wir das erstmalig ausprobieren. Von Montag bis Donnerstag durften sich die Kinder den verschiedensten Themen widmen. Es wurden Minigolfanlagen gebaut, Radtouren in den Wald gemacht, Häkeln gelernt, Dinosaurier gebastelt und…, na ja, eben Probleme gelöst. Unter dem Motto “Probleme spielend lösen lernen” waren wir in Konkurrenz mit den anderen Projekten gestartet. Beim Anbieten des Themas hatten wir etwas Angst, dass sich kein Kind dafür interessieren würde. Wir gestalteten den Rahmen daher bewusst relativ frei und setzten selbstbewusst die maximale Gruppengröße für unser Projekt auf 12 Kinder von der ersten bis zur vierten Klasse – also zwischen 6 und 10 Jahren. Insgeheim hofften wir, dass sich wenigstens 6 Kinder finden würden, die sich für das Thema interessieren.

 

Abbildung 1: Einige der angebotenen Projekte bei der Projektwoche.

Ungefähr drei Wochen vor Projektbeginn erhielten wir die Teilnehmerliste. Insgesamt 13 Kinder hatten sich angemeldet. Da waren wir richtig baff. Aber auch euphorisch. Würden wir doch die Möglichkeit bekommen, Kindern eine Fähigkeit fürs Leben mitzugeben. Wir planten, bestellten T-Shirts für die Gruppe, sammelten Bastelmaterial, organisierten Plakate, kauften Knete und waren Montagmorgen wahrscheinlich das schwerstbeladene Team in der ganzen Schule. Wir, das sind in dem Fall Michaela Kauer-Franz und Benjamin Franz, kamen in die Klasse und wurden von einem kleineren Berg wilder und fröhlicher Kinder begrüßt. Tatsächlich hatten sich Kinder aus allen vier Klassenstufen für unser Projekt interessiert, so dass die Gruppe aus Erst- bis Viertklässlern bestand. Was uns außerdem ebenfalls sehr freute: Es waren genauso viele Mädchen wie Jungen in unserem Projekt vertreten. Wir hatten es also geschafft, das Thema so zu platzieren, dass es wirklich so funktionierte wie gedacht: Für alle!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abbildung 2: Unsere Begrüßung für die Kinder

Was in anderen Bereichen vielleicht ein wirkliches Problem gewesen wäre – schließlich können die Erstklässler oft noch nicht so gut lesen und schreiben – war in unserem Bereich sogar von Vorteil: Alle Aufgaben und Inhalte wurden nicht schriftlich durchgeführt, sondern – soweit möglich – durch die Kinder gemalt. Das Visualisieren von Inhalten ist dabei eine Aufgabe, die Erwachsenen oft sehr schwer fällt und für die sie sich schämen, wenn die Zeichnungen noch nicht so gut sind. Unsere Kinder waren hier zum Glück sehr offen und hatten wahnsinnig viel Spaß am Malen.

Wir starteten mit einer Vorstellungsrunde, bei der sich jeder im Raum mit seinem Namen, seinem Alter und dem Grund, warum er sich für dieses Projekt entschieden hatte, vor der Gruppe vorstellen sollte. Hier merkte man schnell, dass das für die kleineren Kinder eine große Sache war. Es dauerte eine ganze Weile und teilweise viel Überwindung, bis alle sich vorgestellt hatten. Was uns sehr überraschte und auch ein wenig nachdenklich gemacht hat war, dass mehrere Kinder als Begründung für die Teilnahme angaben, zuhause oder im Freundeskreis Probleme zu haben. Oder jemanden zu kennen, der Probleme hat. Und sie hatten sich das Projekt ausgesucht, um den Leuten um sich herum zu helfen diese Probleme zu lösen.

Nach der Vorstellung ging es mit dem eigentlichen Projekt los: Für das Projekt hatten wir entschieden, nicht einfach an einem theoretischen Problem zu arbeiten, das wir uns vorher ausgedacht haben, sondern wir wollten an Problemen arbeiten, die die Kinder tatsächlich in der Schule hatten. Wir starteten also mit dem Sammeln von Dingen in der Schule, die die Kinder so aktuell nicht gut finden. Zu unserer Überraschung fiel es den Kindern überhaupt nicht schwer hier Themen zu finden. Ganz im Gegenteil. Nach nur wenigen Minuten war die ganze Tafel voll.

Die Gruppe hat sich dann für 3 Themen entschieden, von denen fast alle Kinder betroffen waren, so dass die Motivation der Kinder hoch war, hier zu guten Lösungen zu kommen. Die Probleme waren: „zu laut in der Klasse“, „alle werfen Müll rum“ und „die Toiletten sind eklig“. Mindestens die beiden letzten Themen waren für die Kinder auch sehr emotional, und das Toilettenproblem schilderten die Kinder ziemlich eindringlich.

 

 

 

 

 

Abbildung 3: Die Sammlung der Probleme

Damit jeder auch mitarbeiten kann, teilten wir die Kinder dann in einzelne Gruppen ein. Jeweils 3 bis 5 Kinder widmeten sich einem Thema. In Kleingruppen erarbeiteten wir gemeinsam, wer uns dabei helfen kann, Informationen zu jedem Thema zu sammeln. Nachdem das „Wer“ geklärt war, wurden gemeinsam mit den Kindern Fragen gesucht, die dann gestellt werden sollten, um das Problem noch besser zu verstehen. So befragte zum Beispiel die Toiletten-Gruppe die Sekretärin, um herauszufinden, wie oft und wann die Reinigungskräfte kommen. Die Müll-Gruppe befragte Kinder, warum sie Müll auf den Schulhof werfen und die „zu laut“-Gruppe befragte Lehrer, warum es in den Klassen so laut ist.

Am Anfang waren die Kinder hier noch wirklich aufgeregt, aber wir waren überrascht und begeistert davon, wie souverän schon die Kleinsten hier an Informationen kamen. Nach der Pause trugen wir all unser Wissen zusammen und gestalteten Plakate, um die neuen Erkenntnisse festzuhalten.

Am nächsten Morgen dann starteten wir in das „Gehirnstürmen“ (Brainstorming). Keins der Kinder hatte schon einmal Brainstorming gemacht, aber alle waren wahnsinnig gespannt, was denn dieses Gehirnstürmen sein sollte. Vor der Projektwoche dachten wir, es wäre eine Herausforderung ein Brainstorming mit jungen Kindern durchzuführen. Unsere Erstklässler konnten ja zum Projektzeitpunkt noch nicht einmal richtig lesen oder schreiben.

Abbildung 4: Die Plakate mit den ersten Informationen zu den Problemen.

Wir haben uns dann dafür entschieden, das komplette Brainstorming in Bildern zu machen. Es gab ein großes Plakat, auf dem die Regeln für das Brainstorming erklärt wurden. Hier war zum Beispiel eine Hand, die mit dem Daumen nach unten zeigt, durchgestrichen. Das sollte den Kindern sagen, dass kritisieren der Ideen nicht erlaubt war. Zusätzlich gab es noch Bilder, die gezeigt haben, dass Ideen von anderen weiterentwickelt werden sollen, dass alle gemeinsam arbeiten, dass immer nur einer spricht. Die Regeln haben wir ganz am Anfang vorgestellt und es hat wunderbar funktioniert.

Wir haben anschließend als Gruppe gemeinsam an jedem Problem gearbeitet. Für jedes Problem haben wir uns zwei Stunden Zeit genommen. In der ersten Stunde haben wir alle gemeinsam nach Lösungen gesucht und diese dann aufgemalt. Dabei hatten Ben und ich ausschließlich die Rolle des Moderators. Alle inhaltlichen Ideen für die Lösung der Probleme kamen von den Kindern. Durch das Malen der Ideen haben sich aus unserer Sicht gleich mehrere Vorteile ergeben: 1. Die Kinder hatten viel Spaß und haben versucht so viele Ideen wie möglich zu finden, 2. Alle Kinder konnten gleich gut mit machen, weil jedes Bild in der großen Gruppe auch noch einmal vorgestellt wurde, so dass es nicht notwendig war, die Bilder direkt zu verstehen und 3. durch die Visualisierung der Ideen fiel es allen viel leichter, sich an die verschiedenen Ansätze zu erinnern.

Abbildung 5a: Kinder beim Gestalten und Ideen aufmalen. 5b. Ein Teil der gemalten Ideen zu einem Problem.

In der zweiten Stunde haben wir dann gemeinsam die Ideen bewertet. Hier zu haben wir uns 3 Kriterien überlegt, anhand der wir jede einzelne Idee hinterfragen. 1. Löst die Idee das Problem gut? 2. Ist die Idee schnell umsetzbar? Und 3. Ist die Idee billig umsetzbar? Wir haben diese 3 Kriterien genommen, weil wir in dem Kurs etwas machen wollten, was die Kinder tatsächlich auch an der Schule zum Einsatz bringen können. Die Bewertung hat super funktioniert. Kein Kind war traurig, wenn die eigene Idee nicht direkt bei den Besten war und nach und nach haben alle von sich aus ein Gespür dafür entwickelt, was eine gute Idee ausmacht und konnten diese direkt als Gruppe bewerten und konstruktiv diskutieren.

Die Ideen, die die Kinder für Ihre Probleme gefunden haben, haben uns ehrlich gesagt sehr beeindruckt. Kindern sind einfach nicht annähernd so beschränkt in ihrem Denken, wie Erwachsene das oft sind. Wir hatten Roboter, die die Toiletten selbstständig reinigen, Zauberer und magische Münzen, wir hatten aber auch ganz pragmatische Ansätze wie Putzpläne, andere Ausstattung in den Kabinen, Kontrollkonzepte und Belohnungssysteme, sowohl für Kinder als auch für Reinigungskräfte. Und diese Vielfalt und Qualität für alle der 3 Probleme. Wir sind uns sicher, dass die Anzahl der Ideen viel größer ist als die, die Erwachsene hervorgebracht hätten. Schlichtweg, weil Kinder noch keine Schere im Kopf haben, die ihnen sagt: „Nein, das geht nicht“. Natürlich hätten Erwachsene hier vielleicht eine größere Bandbreite an technischen Lösungen vorschlagen können. Für unseren Kontext, waren die Antworten der Kinder aber perfekt, da viele der Ideen schnell und kostengünstig umsetzbar waren.

Wir haben dann den Vormittag am Donnerstag dazu verwendet, um für jede Gruppe Plakate zu gestalten mit den Kernideen und eine kurze Befragung vorzubereiten. Diese Plakate haben wir dann in der Pausenhalle aufgehängt. In der Pause hatten dann alle Kinder die Aufgabe, je 3 Kinder und 1 Lehrer zu ihrem Plakat zu bringen und erst das Problem kurz zu erklären und dann die einzelnen Lösungen vorzustellen. Dabei sollten für jede Lösung 2 Fragen gestellt werden: 1. Wie gefällt dir die Idee? 2. Wie können wir die Idee noch besser machen? Im Gegensatz zum Montag rannten die Kinder aus unserem Projekt los. Keiner hatte mehr Angst oder scheute sich, andere für die Ideen zu befragen. Tatsächlich war eine regelrechte Begeisterung ausgebrochen, die eigene Arbeit zeigen zu können. Hier bekamen die Kinder wirklich gutes Feedback und wurden von den anderen Kindern sehr in ihrem Tun bestärkt.

 

Abbildung 6: Die Lösungsplakate in der Pausenhalle.

Leider können wir das im Umgang mit Erwachsenen so nicht immer beobachten. Einige Erwachsene sind darauf fokussiert, nicht die Ideen der Kinder anzuhören, sondern Rechtschreibfehler auf Plakaten zu korrigieren oder direkt zu erklären, warum das alles überhaupt nicht geht. Aber nur der Respekt und das Ernstnehmen der Kinder führt dazu, dass diese über sich hinauswachsen. In den vier Tagen mit den Kindern konnte man gut beobachten, wie alle Kinder Stück für Stück aufgetaut sind und mit ihren Fähigkeiten zum Vorwärtskommen der Gruppe beigetragen haben. Die Ergebnisse waren überwältigend. Und Schüler, die sonst anscheinend eher schwächer sind, haben sich bei uns als Beste im Kurs hervorgetan. Hoch motiviert, begeistert, hilfsbereit und engagiert.

Abbildung 7: Die Team-T-Shirts zum Projekt.

Unsere Kinder haben nur 4 Schultage gebraucht, um auf praktikable Lösungen für Probleme zu kommen, mit denen die Schule schon lange kämpft. In einer gemeinsamen Vorstellung aller Kinder vor dem Rektor der Schule, durften am Projektende alle Kinder ihre Ideen dann auch noch vorstellen und einbringen. Nun werden die Plakate sogar vom Direktor der Schule mit-genommen und für die weitere Verbesserung der Schule aufbewahrt. Danke dafür! Das ist das Zeichen, dass die Kinder brauchen. Wir nehmen euch ernst! Wir hören euch zu!

Wir hatten in dieser Woche mit den 13 Kindern sehr viel Spaß und Freude. Wir haben es genossen zu sehen, wie groß die Fortschritte sind, die unsere Kinder in so wenigen Tagen machen konnten und wir wünschen uns – für unsere Kinder und für alle anderen Kinder – dass es auch im Alltag und in der Schule mehr Gelegenheiten gibt, bei denen man dieses Wachstum und diese Freude beobachten darf! Vielen Dank für eure Zeit mit uns! Und auch ein großes Dankeschön an die Schule, die uns den Freiraum gelassen hat, diese Woche so zu gestalten, wie wir das für richtig gehalten haben, auch wenn vorher keiner wusste, was wir tun! =)

 

 

 

 

 

 

 

 

Abbildung 8: Ben und Michaela.

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