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Was Produkte wirklich cool macht – Psychologische Produktgestaltung – Die große Bedürfnisreihe Teil 1: Einführung

von | 22. Jul 2022

Warum ist das Erkennen und Einbinden von Nutzerbedürfnissen in das eigene Produkt so ungemein wichtig? Müssen Sie sich für die Entwicklung Ihres Produkts mit Nutzerbedürfnissen beschäftigen? Und wenn ja, warum? Welche Bedürfnisse sind relevant für das Usability und User Experience Design? Wie können sie berücksichtigt und in das Design eingebunden werden?

Wenn Sie sich eine oder mehrere dieser Fragen bereits gestellt haben, sind Sie in dieser Artikelreihe genau richtig. Wenn Sie unsere Bedürfnisreihe lesen, bekommen Sie ein Verständnis dafür, warum Nutzerbedürfnisse so essenziell wichtig für das eigene Produktdesign sind. Zudem lernen Sie die wichtigsten Bedürfnisse in Bezug auf Usability und User Experience Design kennen. So schaffen Sie die Grundlage für ein Produkt, das begeistert und Nutzer lange bindet.

Am Ende dieser Reihe können Sie die essenziell wichtige Frage beantworten „Was macht ein Produkt wirklich cool und begeisternd?“ und wissen über die ersten Schritte Bescheid, die Sie unternehmen können, um Ihr eigenes Produkt begeisternd zu gestalten. Sie erfahren also, wie Sie durch psychologische Produktgestaltung eines oder mehrere der wichtigsten menschlichen Bedürfnisse erfüllen können, um so sicherzustellen, dass Ihr Produkt beim Nutzer positive Emotionen hervorruft.

 

Einführung:

Das Wissen um die Wichtigkeit von guter Bedienbarkeit bei Produkten ist heute in den meisten Unternehmen angekommen. Die Begriffe Usability und User Experience gehören inzwischen zum Standard-Repertoire von vielen Firmen und viele größere Unternehmen besitzen mittlerweile eigene Abteilungen, deren Aufgabe es ist, einfach gestaltete Produkte zu gewährleisten. Das ist gut so!

Doch damit sollte es nicht aufhören. Es reicht nicht, ein einfach zu bedienendes Produkt zu entwickeln, wenn man Nutzer begeistern möchte. Begeisterung, also eine sehr gute User Experience, braucht Emotionen. Gute Bedienbarkeit (also eine gute Usability) alleine schafft dafür die Grundlage, aber eben auch nicht mehr. Deswegen schauen wir uns die User Experience nachfolgend aus dem Blickwinkel der Welt der Psychologie etwas genauer an. Wir wollen verstehen, was Nutzer wollen, was sie motiviert und was sie dazu bringt, eine Produktnutzung als sehr positiv wahrzunehmen.

 

Produkte lösen Emotionen in den Nutzern aus

Produkte, über die Medien und Blogger berichten, wegen denen tagelang vor Geschäften gecampt wird und über die schon Monate vor Verkaufsstart täglich geschrieben wird, sind nicht „nur“ einfach. Manchmal sind sie sogar gezielt das Gegenteil. Aber eines tun sie immer: sie lösen Emotionen bei den Nutzern aus. Und Emotionen entstehen durch die Befriedigung von Bedürfnissen. Deswegen möchten wir uns in der hiermit startenden Blogreihe mit Bedürfnissen im Umgang mit technischen Produkten beschäftigen.

Der Wert der Bedürfnisse und wie sie sich durch gute Gestaltung und einige Designpatterns in der täglichen Arbeit berücksichtigen lassen, soll daher der Kern dieser Reihe sein.

Wir hoffen, dass wir Ihnen, lieber Leser, damit das gleiche Aha-Erlebnis ermöglichen, wie den Kunden, mit denen wir an diesen Themen arbeiten.

Es würde uns sehr freuen, wenn Sie sich bei Ihrem nächsten Produkt nicht nur fragen würden: „Wie kann ich es möglichst einfach machen?“, sondern vielleicht auch: „Welche Bedürfnisse haben meine Nutzer und wie kann ich diese in meinem Produkt berücksichtigen?“

Dabei ist aber nicht nur der Zeitraum der tatsächlichen Nutzung ausschlaggebend für die User Experience. Auch alles, was vor und nach der Nutzung passiert und in Zusammenhang mit Ihrem Produkt steht, ist hier enorm wichtig. Das kann eine Erwartungshaltung, aber auch ein zufriedenes Gefühl nach der Nutzung sein – User Experience betrachtet den Menschen in seiner Wahrnehmung also ganzheitlich!

 

Und um welche Bedürfnisse genau geht es?

Bis heute ist die Maslowsche Bedürfnispyramide einer der bekanntesten und gängigsten Erklärungsversuche für die Hierarchie menschlicher Bedürfnisse und die daraus entspringende Handlungsmotivation der Menschen. Sie stand über die Jahre allerdings oft in der Kritik, „zu abstrakt“ gehalten zu sein. Auch die Angrenzung der Motivationsklassen, die Maslow annimmt, konnte nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden. (source) Stark vereinfacht besagt sie, dass der Mensch bestimmte Defizitbedürfnisse (Grundbedürfnisse, Sicherheit, soziale Bedürfnisse) als erfüllt sehen muss, bevor er sich der Umsetzung der Wachstumsbedürfnisse (Individualbedürfnisse und Selbstverwirklichung) widmen kann.

Die Bedürfnispyramide nach Maslow
Über die Jahrzehnte widmeten sich immer wieder Forscher der Bedürfnisforschung. So auch Dr. Kennon Sheldon, der in einer Studie Menschen über die zufriedenstellendsten Momente ihres Lebens befragte, um daraus die wichtigsten psychologischen Bedürfnisse abzuleiten. Er und sein Team erarbeiteten in ihrer Veröffentlichung „What Is Satisfying About Satisfying Events? Testing 10 Candidate Psychological Needs“ eine Vielzahl weiterer psychologischer Bedürfnisse. Die wichtigsten hierunter waren: Autonomie, Kompetenz und Verbundenheit.

Diese sind schon weitaus interessanter für die psychologische Produktgestaltung, denn bedient Ihr Produkt eines oder mehrere dieser wichtigsten menschlichen Bedürfnisse, wird die Nutzung positive Emotionen hervorrufen. Deswegen werden wir uns auf genau diese wichtigsten Bedürfnisse konzentrieren. An dieser Stelle sei erwähnt, dass Bedürfnisse in Menschen verschieden ausgeprägt sind.

Aber welche Bedürfnisse sind nun wichtig für das Usability und User Experience Design Ihres Produkts? Aus unserer Sicht fasst die folgende verkürzte Liste von Sarah Diefenbach und ihrem Team sehr gut die Bedürfnisse zusammen, die im Rahmen der Techniknutzung relevant sein können und zu einer guten User Experience beitragen. (source: „Experience Design Tools – Ansätze zur Interaktionsgestaltung aus dem Blickwinkel psychologischer Bedürfnisse“)

 

Eine kurze Vorstellungsrunde: die wichtigsten Bedürfnisse bei der Techniknutzung einmal kurz erklärt

Lassen Sie uns die Bedürfnisse kurz kennenlernen. Die folgenden Wochen werden wir diese jeweils mit einem eigenen Artikel in die Tiefe behandeln und aus dem jeweiligen Bedürfnis klare Designpatterns ableiten, die Ihnen bei Ihrer Produktgestaltung helfen werden.

Die folgende Auflistung und die Erklärung der Bedürfnisse haben wir dem erwähnten Beitrag von Sarah Diefenbach entnommen:

Kompetenz: Das Bedürfnis, sich Herausforderungen zu stellen und sie zu bewältigen. Hier spielt das Erleben von Erfolg und Selbstwirksamkeit eine Rolle.

Verbundenheit: Das Bedürfnis, sich anderen nahe zu fühlen, insbesondere den Menschen, die einem wichtig sind. Es geht um das Gefühl sozialer Eingebundenheit und Nähe.

Bedeutsamkeit: Das Bedürfnis, Bedeutungsvolles festzuhalten und neue Einsichten zu erlangen.

Stimulation: Das Bedürfnis Neues kennen zu lernen. Hier spielen oft Neugier, Unterhaltung oder Ablenkung eine Rolle.

Sicherheit: Das Bedürfnis, Dinge planen zu können und sicher vor Bedrohung und Ungewissheit zu sein. Es geht um ein Gefühl der Entspannung durch Planbarkeit und Struktur.

Popularität: Das Bedürfnis bei anderen Anerkennung zu finden, jemand zu sein den andere interessant finden oder dem andere nacheifern. Eine Rolle spielen hier Ruhm und Verantwortung, aber auch Macht und Einfluss.

Autonomie: Das Bedürfnis, Dinge frei entscheiden zu können. Hier spielen Selbstbestimmtheit, Eigenständigkeit und Unabhängigkeit eine Rolle.

(source: „Experience Design Tools – Ansätze zur Interaktionsgestaltung aus dem Blickwinkel psychologischer Bedürfnisse“)

 

Von abstrakt zu konkret

Bedürfnisse zeigen also, wonach Menschen streben. Die Formulierung der Bedürfnisse ist allerdings abstrakt und allgemein. Bei der Gestaltung von Technik stellt sich dann aber die Frage, wie Sie die abstrakten Bedürfnisse für Ihr ganz konkretes Produkt nutzen. Die Bedürfnisse können Ihnen hier konkrete Anhaltspunkte liefern. So kann das Autonomiebedürfnis zum Beispiel die Umsetzung „zur Folge haben“, einen zuvor kooperativ gelösten Arbeitsschritt nun alleine lösen zu können.

 

Fazit

Die Erfüllung von Nutzerbedürfnissen sorgt für positive Emotionen bei der Nutzung Ihres Produkts. Entsprechend ist es essenziell wichtig, sich über die Nutzerbedürfnisse klar zu werden und ein Verständnis darüber zu entwickeln, was Sie tun können, um diese auch in Ihr Produktdesign einfließen lassen zu können.

Haben Sie bereits Erfahrungen mit psychologischer Produktgestaltung? Lassen Sie es uns in den Kommentaren wissen.

Sie haben Fragen zur Einbindung der Nutzerbedürfnisse in Ihrem speziellen Fall? Gerne können Sie sich über unser Kontaktformular melden und ein kostenloses Kennenlerngespräch mit uns vereinbaren.

Wir freuen uns sehr auf Ihre Rückmeldung!

 

Unsere Bedürfnisreihe

Nun haben Sie einen Überblick über das Thema gewonnen. Insgesamt wird Ihnen die Reihe nun 7 Bedürfnisse vorstellen. Jedem Bedürfnis möchten wir einen eigenen kurzen Beitrag widmen, der Ihnen erklärt, um was für ein Bedürfnis es sich handelt, woran Sie es gewöhnlich erkennen und Ihnen beispielhaft ein Designpattern vorschlagen, mit dem Sie dieses Bedürfnis berücksichtigen können. Zudem zeigen wir Ihnen einige konkrete Beispiele, wie die Bedürfnisse in konkreten Produkten eingesetzt werden (und das auf der Ebene der kompletten Produktausrichtung und auf der Detailebene einzelner Features).

Weiter geht es im nächsten Monat mit einem Beitrag zum Thema „Bedeutsamkeit“. Wir würden uns freuen, wenn Sie dabeibleiben!

Teil 1: Einführung

Teil 2: Verbundenheit

Teil 3: Sicherheit

Teil 4: Kompetenz

Teil 5: Popularität

Teil 6: Stimulation

Teil 7: Autonomie

Teil 8: Bedeutsamkeit

Teil 9: Psychologische Produktentwicklung in die eigene Entwicklungspraxis integrieren – Wie geht es richtig?

 

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