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Die große Bedürfnisreihe Teil 8: Bedeutsamkeit


Psychologische Produktgestaltung – Was Produkte wirklich cool macht.

von | 11. Nov 2022

Was genau ist das Bedürfnis nach Bedeutsamkeit? Welche Rolle spielt es für uns als Menschen und bei der Techniknutzung? Was bedeutet das für Ihr Produktdesign? Und wie können Sie das Bedürfnis nach Bedeutsamkeit gezielt mit Ihrem Produkt befriedigen?

Antworten auf diese Fragen finden Sie in diesem Artikel, der Teil unserer großen „Bedürfnisreihe“ ist. Dieser liegt die Frage „Was macht Produkte wirklich cool?“ Zugrunde. Sie erfahren hier, wie Sie gezielt psychologische Produktgestaltung für das Erreichen einer positiven User Experience nutzen können.

 

Die große Bedürfnisreihe: ein Rückblick (den Sie getrost überspringen können, wenn Sie die Reihe bis hierher gelesen haben 😊)

Unsere Einführung: Um eine positive User Experience zu erreichen, müssen positive Emotionen beim Nutzer geschaffen werden. Dies erreicht man dadurch, dass gezielt die wichtigsten Bedürfnisse befriedigt werden. Sie profitieren also sehr davon, Ihre Nutzer samt deren Bedürfnisse zu kennen und zu wissen, wie Sie Ihr Produktdesign darauf auslegen können.

In unserem Einführungsartikel haben wir zudem folgende Shortlist an Bedürfnissen benannt. Allesamt sind besonders bei der Techniknutzung relevant. Die zugehörigen Artikel zum jeweiligen Bedürfnis finden Sie über die Verlinkungen.

(nach Sarah Diefenbach: „Experience Design Tools – Ansätze zur Interaktionsgestaltung aus dem Blickwinkel psychologischer Bedürfnisse“)

Bedürfnis Verbundenheit: Das Bedürfnis nach Verbundenheit ist tief in uns verwurzelt. Der zweite Artikel unserer Reihe zeigt Ihnen, wie Sie dieses Bedürfnis in Ihrem Produktdesign gezielt einbinden können.

Bedürfnis Sicherheit: Sicherheit kommt von Planbarkeit, Verlässlichkeit und der Abwesenheit von Unberechenbarem – das können Sie in das Design Ihres Produkts einbinden. Dieser Artikel zeigt Ihnen, wie.

Bedürfnis Kompetenz: Nutzer wollen die eigene Selbstwirksamkeit und Kompetenz spüren. In anschaulichen Beispielen erklären wir Ihnen, wie Sie diese Information in Ihrem Produktdesign berücksichtigen können.  

Bedürfnis Popularität: Teil fünf der Bedürfnisreihe zeigt, dass es beim Popularitätsbedürfnis darum geht, Einfluss zu haben und die eigene Meinung geschätzt zu wissen. Beispiele gibt es aus der Welt der Social Media Plattformen, aber auch aus anderen Bereichen.

Bedürfnis Stimulation: Ohne ausreichend Stimulation kommt beim Nutzer schnell Langeweile auf und diese resultiert in einer schlechten User Experience. Wie Sie das vermeiden können, zeigen wir Ihnen an anschaulichen Beispielen.

Bedürfnis Autonomie: Fehlt die Befriedigung des Autonomiebedürfnisses bei der Techniknutzung, fühlen sich Nutzer schnell bevormundet und unfrei. Wir zeigen Ihnen an einigen Beispielen, wie das gezielt vermieden werden kann.

In diesem Artikel schauen wir uns das Bedürfnis nach Bedeutsamkeit genauer an und finden heraus, wie genau die Befriedigung dieses Bedürfnisses in das eigene Produktdesign eingebunden werden kann.

 

Das Bedürfnis nach Bedeutsamkeit: eine Definition

Um zu verstehen, was genau das Bedürfnis nach Bedeutsamkeit ist, schauen wir uns die Definition von Sarah Diefenbach an:

Bedeutsamkeit: „Das Bedürfnis, Bedeutungsvolles festzuhalten und neue Einsichten zu erlangen.“

(source: Sarah Diefenbach „Experience Design Tools – Ansätze zur Interaktionsgestaltung aus dem Blickwinkel psychologischer Bedürfnisse“)

Das Bedürfnis äußert sich in einem Verlangen nach:

  • Sinnentfaltung
  • Einsicht
  • Selbsterkenntnis
  • Erfüllung
  • Selbstverwirklichung

 (source: Sarah Diefenbach: Bedürfniskarten)

 

Wie wichtig ist das Bedürfnis nach Bedeutsamkeit?

Schauen wir uns die Bedürfnispyramide nach Maslow an, sehen wir, dass „Bedeutsamkeit“ (hier kann man das Bedürfnis den Begriffen „Anerkennung“ und „Geltung“ zuschreiben) zu den Wachstumsbedürfnissen zählt. Es spielt also erst eine ausschlaggebende Rolle für Menschen, wenn die Defizitbedürfnisse erfüllt sind.

 

Die Bedürfnispyramide nach Maslow

Dass Bedeutsamkeit für uns Menschen allerdings trotzdem immens wichtig ist, wird schnell klar, wenn man sich vor Augen führt, was das Fehlen von Sinnhaftigkeit und Erfüllung in uns auslöst: Wir fühlen uns unmotiviert, leer und irgendwie matt. Wer sich nicht selbst verwirklichen kann und keinen Sinn hinter dem sieht, was er tut, wird schnell unglücklich und träge.

Die „Welt“ hat in einem Artikel Depression als „Sinn-Mangelerkrankung“ definiert und eindrucksvoll den Leidensdruck hinter dem Fehlen der Sinnhaftigkeit des eigenen Lebens beschrieben. Zudem wird hier nahegelegt, dass das Bedürfnis nach Sinn, Bedeutung und Wertschätzung nicht nur psychologischer, sondern sogar biologischer Natur ist. Das Fehlen vom Erleben der Bedeutsamkeit im eigenen Leben senkt das Dopamin-Level und erhöht das Cortisol- sowie das Noradrenalin Level – das Ergebnis: Stress, Angst und ein Gefühl der Leere und Sinnlosigkeit. (Source: https://www.welt.de/gesundheit/article5562551/Depression-die-Krankheit-mit-dem-Mangel-an-Sinn.html).

 

Was bedeutet das für die eigene Produktgestaltung?

Rufen wir uns noch einmal die positiven Effekte von bedeutsamen Erfahrungen ins Gedächtnis: Das Dopamin-Level steigt. Man erlebt also ein Glücksgefühl. Für Ihre Produktgestaltung heißt das also, dass Sie mit der gezielten Befriedigung des Bedeutsamkeitsbedürfnisses stark positive Gefühle in Ihren Nutzern auslösen. So steigert sich die User Experience enorm und die Nutzung Ihres Produkts wird als sehr angenehm empfunden (natürlich müssen hier auch andere Faktoren stimmen).

Wie genau Sie für bedeutsame Erlebnisse bei der Nutzung sorgen können, wollen wir Ihnen nun in zwei Beispielen verdeutlichen.

 

Beispiel 1 für die Befriedigung des Bedeutsamkeitsbedürfnisses: Das Feedback über die Sinnhaftigkeit der erbrachten Handlungen

Wenn Sie etwas tun, das Ihren Werten und Idealen entspricht, dann erleben Sie Sinnentfaltung. Führen Sie Ihren Nutzern vor Augen, dass diese etwas getan haben, das ihren Werten und Idealen entspricht, wird das deutlich dazu beitragen, das Bedeutsamkeitsbedürfnis zu befriedigen.

Ein Feature hierfür wären Nachrichten und Reminder, die dem Nutzer ausgespielt werden, die darauf hinweisen, dass hier etwas (aus Nutzersicht) Gutes getan wurde. Das kann eine Notification sein, aber auch ein Hinweis, der sich bei einem bestimmten Arbeitsschritt (wie einem Bezahlvorgang) deutlich vom Rest der Informationen hervorhebt.

Ein konkretes Beispiel hierfür findet sich in der App des Anbieters „Too Good To Go“. Hier kann der Nutzer sogenannte „Magic Bags“ erstehen. Das sind Tüten mit Lebensmitteln, die am Ende eines Tages keine Abnehmer gefunden haben. Einen solchen „Magic Bag“ zu kaufen, spart Geld (da man die Ware günstiger bekommt) und hilft der Umwelt (da hierdurch CO2 eingespart wird). Öffnet man die App, bekommt man eine gut sichtbare Information darüber, wie viel „Gutes man getan hat“.

Das sieht dann wie folgt aus:

Ein Beispiel für ein Feature das das Bedeutsamkeitsbedürfnis befriedigt

Solche Nachrichten oder Statistiken können motivieren, bei der Sache zu bleiben und die Bedeutsamkeit der eigenen Handlungen widerspiegeln. Sie signalisieren, dass das eigene Handeln wichtig ist und dazu beiträgt, die Welt etwas zu verbessern. Es kommuniziert: Sie sind nicht nur Teil der Lösung, Sie sind auch Teil einer großen Gruppe, die etwas bewegt.

 

Beispiel 2 für die Befriedigung des Bedeutsamkeitsbedürfnisses: Bedeutende Momente festhalten

Bedeutsamkeit bei der Techniknutzung kann auch erfahren werden, wenn bedeutsame und sinnstiftende Momente festgehalten und gebührend zelebriert werden. Hier haben Social Media Plattformen einige Positivbeispiele in das eigene Produkt integriert.

Ganz konkret kann das zum Beispiel bedeuten, dass ein Nutzer der jeweiligen Plattform eine „Erinnerung“, also ein Bild oder einen Beitrag aus der Vergangenheit, ausgespielt bekommt, um sich selbst an bedeutende Momente zu erinnern.

Meilensteine wie ein Jubiläum im eigenen Beruf sind hier ein gutes Beispiel. So zeigt LinkedIn dem eigenen Netzwerk diese bedeutenden Momente. Hier in Form einer Nachricht:

 

Meilensteine feiern als Produktfeature

Auch neue bedeutende Momente können gebührend gefeiert und gepostet werden. Eine neue Position beispielweise kann man auf LinkedIn mit einem animierten GIF feiern.

 

Feature: neue Position feiern

Fazit

Das Bedürfnis nach Bedeutsamkeit mag zwar zu den Wachstumsbedürfnissen zählen und somit auf den ersten Blick einen geringeren Stellenwert einnehmen als die nach Maslow genannten Defizitbedürfnisse, aber schaut man sich an, was beim Ausbleiben der Befriedigung des Bedürfnisses passiert, wird schnell klar, wie wichtig es ist. Fehlt die Sinnhaftigkeit im eigenen Leben und Handeln, hat das physische Auswirkungen. Das Angst- und Stresslevel steigt und es stellt sich ein Gefühl der Leere ein.

Sie sollten also durch psychologische Produktgestaltung vermeiden, dass die Befriedigung des Bedeutsamkeitsbedürfnisses ausbleibt.

Hat Ihr Produkt Features, die das Bedürfnis nach Bedeutsamkeit befriedigen? Lassen Sie es uns in den Kommentaren wissen.

Sie haben Fragen zur Einbindung der Nutzerbedürfnisse in Ihrem speziellen Fall? Gerne können Sie sich über unser Kontaktformular melden und ein kostenloses Kennenlerngespräch mit uns vereinbaren.

Wir freuen uns sehr auf Ihre Rückmeldung!

 

Bleiben Sie dabei! – Unsere Bedürfnisreihe

Wir würden uns freuen, wenn Ihnen unsere Beiträge gefallen und Sie auch beim nächsten Mal zu unserem Fazit wieder mitlesen. In dem kommenden Artikel finden Sie auch unsere praktischen Bedürfniskarten zum Download. Diese sollen Ihnen als Alltagstool für die Integration von Bedürfnissen in die Produktentwicklung dienen.

Hier finden Sie unsere Übersicht über die bereits erschienenen und den kommenden Artikel der Reihe:

Teil 1: Einführung

Teil 2: Verbundenheit

Teil 3: Sicherheit

Teil 4: Kompetenz

Teil 5: Popularität

Teil 6: Stimulation

Teil 7: Autonomie

Teil 8: Bedeutsamkeit

Teil 9: Psychologische Produktentwicklung in die eigene Entwicklungspraxis integrieren – Wie geht es richtig? (Hier finden Sie auch unsere Bedürfniskarten – unser praktisches Alltagstool für die Integration von Bedürfnissen in die Produktentwicklung)

 

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